Igel - Ausführliche Information zum Thema Fundigel

-back-
 
Erinaceus europaeus Linnaeus, 1758

Bevor Sie sich entschließen einen Igel mitzunehmen, gibt es einige Dinge zu überdenken. Nicht jeder Igel, den man findet ist hilflos und braucht unsere Zuwendung. Auch bedeutet das Mitnehmen der Tiere Verantwortung, die Sie übernehmen. Es ist nicht immer möglich eine Pflegestelle zu finden, da die Menschen, die die Pflege der Tiere übernehmen dies in Ihrer Freizeit tun und die Kapazitäten oft sehr begrenzt sind. So kann es einige Zeit dauern, bis ein geeigneter Platz gefunden wird.


Bild 1: Erinaceus europaeus (Schmidt, J. 2008)

Äußere Merkmale

Ein männlicher ausgewachsener Igel bringt bis zu 1,7 kg auf die Waage. Die weiblichen Tiere sind dagegen mit einem Gewicht von bis zu 1,4 kg etwas leichter, als ihre männlichen Artgenossen. Ebenso variiert das Gewicht abhängig von der Jahreszeit.
Igel werden mit ca. 15 - 20 g geboren. Sie kommen in den Monaten von Juni bis Oktober zur Welt. Ca. 4 Wochen nach der Geburt weisen sie ein Gewicht von ca. 180 g auf. Dies ist auch das Alter, mit dem die kleinen Igel das erste mal das Nest verlassen.

 Geschlechtsmerkmale

Die Unterscheidung des Geschlechts ist nur bei der Betrachtung der Bauchseite des Igels möglich. Beim männlichen Igel sieht der Penis bzw. dessen Öffnung wie ein Bauchnabel aus. Dieses Merkmal lässt die Geschlechter eindeutig unterscheiden.

Verhalten und Physiologie

Der nachtaktive Igel orientiert sich in der Hauptsache durch seinen gut ausgeprägten Geruchssinn, jedoch ist auch das Hören dieser Tiere an ihre Lebensweise sehr gut angepasst. Bei der Suche nach Nahrung können Igel Trittlaute von Käfern auf Blättern wahrnehmen. Der hörbare Bereich der Igel reicht bis in den Ultraschallbereich. Das Tier ist jedoch Farbenblind und kann lediglich Umrisse wahrnehmen.

Aus diesem Grund haben ebenso völlig erblindete Igel eine Chance in Freiheit.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Igels erstreckt sich über West- und Zentraleuropa. In Russland und Osteuropa lebt ein Verwandter, der "Weißbrustigel". Die höchste Populationsdichte des Igels zeigt sich in der Nähe des Menschen, wie beispielsweise in Gärten und Parkanlagen.

Ernährung

Da es sich bei dem Igel um einen Insektenfresser handelt gehören zu seinen Hauptnahrungsmitteln Käfer, Ohrwürmer und diverse Arthropodenlarven. Aber auch Regenwürmer stehen ganz weit oben auf ihrem Speiseplan.

In Gefangenschaft, bei der Versorgung von kranken oder zu leichten Igeln rate ich von der Fütterung mit diesen Tieren ab, da sie auch gleichzeitig Träger von Parasiten sind (z. B. Lungenwurm), welche vor allem gesundheitlich instabilen Igeln zu schaffen machen. Für gesunde Igel, bei denen das Immunsystem intakt ist, stellen diese kein Problem dar.

Einige Beispiele für Fütterungsmöglichkeiten in Gefangenschaft:

  • Katzendosenfutter oder Hundedosenfutter

  • Eier gekocht oder als Rührei (gut geeignet bei geschwächten Igel, wird gerne angenommen!)

  • gekochte Hühnerflügel

  • Igelfertigfutter aus dem Zoobedarf  (Haben meine Pfleglinge bisher verschmäht!)

  • Obst, wie Äpfel (werden nur selten angenommen, da es sich bei dem Igel um einen Insektenfresser handelt!)

  • Täglich frisches Wasser!

Ein Igel kann täglich zwischen 5 und 20 g zunehmen, je nach Alter!

Woran erkenne ich einen hilfsbedürftigen oder kranken Igel?

Kranke oder auch verletzte Igel lassen sich oft durch ihre Tagaktivität erkennen. Doch werden Igel auch nicht selten durch Gartenarbeiten und Baustellen am Tage aufgeschreckt. Tagaktive Igel, auf der Suche nach Nahrung, werden meist durch Endo- wie auch Ektoparasiten geplagt (Innen- und äußerliche Parasiten).

Igel gehören lt. dem Bundesnaturschutzgesetz zu den besonders geschützten Tieren. Daher ist es grundsätzlich verboten Igel einzufangen und in Gefangenschaft zu halten. Ausgenommen von diesem Verbot sind kranke oder verletzte Tiere, nicht aber Tiere die sich einen "unglücklichen" Lebensraum gesucht haben. Daher ist sehr genau zu überlegen, bevor ein Igel eingefangen wird. Ebenso ist zu bedenken, dass Igel sehr spät im Jahr und nicht mit einem Gewicht von 500 g geboren werden. Es ist unter Umständen völlig normal einen Igel mit 200 g im November zu finden. Das Gewicht muss immer in Verbindung mit äußeren Gegebenheiten beurteilt werden, d. h. wenn ein Igel beispielsweise mit 200 g, tagsüber im Schnee herumläuft, ist etwas nicht in Ordnung.

Indizien dafür sind die Tagaktivität, das geringe Gewicht und die Tatsache, dass der Igel im Schnee kein Futter finden wird. Damit soll noch mal unterstrichen werden, dass nicht nur das Gewicht allein, als Zeichen für Hilfsbedürftigkeit herangezogen werden darf.

Auch sollte sich die Pflege in Gefangenschaft auf eine möglichst minimale Zeit beschränken, da dies Stress für die Tiere bedeutet und auch dies zu Krankheiten führen kann.

Erkrankungen

Hier einige genannten Erkrankungen des Igels

  • Ektoparasiten (äußerliche Parasiten, wie beispielsweise Zecken, Flöhe, Milben, Fliegenmaden usw.)

  • Endoparasiten (Innenparasiten, wie beispielsweise Lungenwurm, Darmhaarwurm, Bandwurm, Kokzidien usw. )

  • Mykosen (Pilzerkrankungen) und Hauterkrankungen

  • Bakterielle und Virusinfektionen

  • Äußerliche Verletzungen

  • Mangelerkrankungen

Letzteres nicht selten bei in Gefangenschaft gehaltenen Igel, hervorgerufen durch einseitige Ernährung.

Bild: Lungenwurm (Crenosoma striatum), bei Erinaceus europaeus; (Schmidt, J. 2008)

Erste Hilfe, Versorgung und Unterbringung

Bei der Erstversorgung eines Igels kann wie folgt vorgegangen werden.

  • Überprüfung und Notieren des Gewichtes

  • Überprüfung der Körpertemperatur

(Fühlt sich der Bauch beispielsweise bei einem geschwächten Igel kalt an, kann der Igel auf eine Wärmflasche, welche in ein Handtuch eingewickelt ist, gelegt werden - Vorsicht vor Überhitzung!)

  • Absuchen bzw. Entfernung von äußerlichen Parasiten (Ektoparasiten)

(Parasitensprays nur Anwenden nach fachkundiger Beratung - Tierarzt, Igelstationen, Tierschutzvereine - da diese nicht alle vom Igel vertragen werden. Ebenso findet man Hinweise auf Internetseiten diverser "Igel-Vereine".)

  • Absuchen nach Verletzungen

  • Anbieten von Futter und Wasser

  • Evtl. aufsuchen bzw. kontaktieren von Igelstationen, Tierarzt, Tierschutzvereine zur weiteren Beratung bzw. Behandlung.

Zur eigenen Sicherheit und Hygiene: Händewaschen nach jedem Kontakt; evtl. Einmalhandschuhe Unterbringung in einem verschließbaren (zum Schutz anderer Haustiere) und gut durchlüfteten Raum. Tägliche Säuberung der Unterbringung des Igels (nicht bei Igeln im Winterschlaf!)

Ein auf der Seite liegender Igel braucht schnellst möglich fachkundige Hilfe!

Zur Unterbringung eignen sich Igelkisten (1,5 qm) mit Schlafhäuschen. Bei überwinterungsfähigen Igeln eignen sich Außengehege, aus denen die Kletterkünstler nicht ausbrechen können, wie auch Kellerräume und Dachböden mit Lichteinfall, welche gut durchlüftet sind. Bei kranken, geschwächten Igel sollte darauf geachtet werden, dass die Raumtemperatur nicht unter 16° C liegt.

Winterschlaf

Die Literatur geht von einem idealen Gewicht von 500 bis 600 g zur Überwinterung aus. Der Winterschlaf beginnt abhängig von der Temperatur (ca. ab 5° C) ca. Ende November und dauert bis ins Frühjahr. Dabei reguliert der Igel seine Stoffwechselleistung auf ein Minimum. Während des Winterschlafs kommt es aber auch zu kurzen Wachphasen, in denen, bei einer Pflege in Gefangenschaft, Futter und Wasser bereit stehen sollte. Während des Winterschlafs kommt es zu einem größeren Gewichtsverlust.

Der Igel darf während des Winterschlafs von der pflegenden Person nicht geweckt werden!

Auswilderung

Als Auswilderungsort muss immer der Fundort gewählt werden, da sich der Igel nur dort am besten orientieren kann. Ausnahmen bilden Fund-Igel, die beispielsweise auf einer Straße aufgelesen werden. Hier sollte man sich in der Umgebung umsehen und diese evtl. in einem nahe gelegenen Park oder einer Gartenanlage aussetzen. Ebenso kann in solch einem Fall der Igel an einer geeigneten Stelle mit Hilfe von einem Auswilderungsgehege an eine neue Umgebung gewöhnt werden.

 

Ich hoffe ich konnte Ihnen mit einigen wenigen ausgewählten Themen das Tier, den Igel, näher bringen und bei der Beurteilung, ob ein Igel hilfsbedürftig ist oder nicht, helfen. Natürlich können Sie sich gerne bei Fragen an mich wenden (Jessica Schmidt, B.Sc. (Biologin), Tel: 09122/1886352, Email: info@noris-wildtiere.de). Ich werden Ihnen gerne mit meinen Erfahrungen beiseite stehen. Ich werde bestimmte Fragestellungen auch weiterhin zur Ergänzung dieser Seite mit einbeziehen.

Jessica Schmidt
Biologin

Literatur:

Pro Igel, Verein für integrierten Naturschutz (1996-2008): http://www.pro-igel.de/ (abgerufen am 31.10.2009)
Braun, M. & Dieterlen, F. (2005): Die Säugetiere Baden-Würtembergs, Band 2. Ulmer, Stuttgart, S. 22 - 32.
Herter, K. (1938): Die Biologie europäischer Igel. Zentralbl. für Kleintier- und Pelztierkunde, 14, S. 1 -222.
Lohmann, M. (2007): Das praktische Igelbuch. BLV Buchverlag, München.
Neumeier, M. (2008): Igel in unserem Garten. Kosmos, Stuttgart.
Neumeier, M. (2001): Das Igel Praxisbuch. Kosmos, Stuttgart.
Reeve, N. J. (1994): Hedgehogs. Poyser Natural History, London.
Schicht-Tinbergen, M. (1995): Der Igel-Patient. Fischer Verlag, Stuttgart.